Chronik

 

Eine kleine Vereinschronik des Schrebergartenvereins Witten Sonnenschein e.V.

Als im Jahre 1844 der Leipziger Arzt und Pädagoge Dr. Schreber seine Idee verwirklichte, Gärten für die Bevölkerung zu erstellen, dachte in Witten noch niemand an die Erschließung einer Schrebergartenanlage. Erst im Zuge der wachsenden Industrialisierung, des zunehmenden Bergbaus und der zwangsläufig steigenden Bevölkerungsdichte wurde auch von Wittener Bürgern der Gedanke Dr. Schrebers aufgegriffen, mehr Grün für die Allgemeinheit zu schaffen.

So kam es, dass sich 12 Wittener Bürger am 6. November 1930 im damaligen Restaurant ‘Zur alten Zeit’ zusammensetzten und beschlossen, einen Schrebergartenverein zu gründen. Dem ersten Vorstand gehörten folgende Mitglieder an: Albert Eisfeld (1. Vorsitzender), Paul Freitag (Schriftführer), Fritz Droll (Kassierer).

Der erste Schritt war getan. Nach Verhandlungen und Besprechungen mit der Stadtverwaltung wurde seitens der Stadt Witten als Schrebergartenanlage eine ausgediente Müllkippe Am Sonnenschein zur Verfügung gestellt. Mit Idealismus und Tatendrang ging man an die Arbeit. Manche Hürde mußte genommen werden. Parzellen wurden eingeteilt, Zeichnungen für Gartenhäuser erstellt und von der Stadtverwaltung genehmigt. Insgesamt waren 32 Gärten vorgesehen.

Im ersten Bauabschnitt wurden in gemeinsamer Arbeit 10 Gärten erstellt, die durch das Los ihre ersten Besitzer fanden. Dann wurde eifrig weitergearbeitet. Glücklich über den Erfolg, zufrieden mit der geleisteten Arbeit wurde im Jahre 1933 einfach, aber wirkungsvoll, das erste Sommerfest gefeiert, das auch bei der Wittener Bevölkerung, die dazu eingeladen war, großen Anklang fand; ein Brauch, der bis 1971 fortgeführt wurde und im Rahmen des 60-jährigen Vereinsbestehens im Sommer 1991 wieder aufleben konnte. Das Sommerfest im Jahre 1980 aus Anlass des 50-jährigen Vereinsbestehens war nur ein Versuch, der mangels Beteiligung einmalig blieb.

Immer mehr Mitbürger bewarben sich im Laufe der Zeit um die Zuteilung eines Gartens. Daher entschloss sich im Jahre 1935 die Stadt Witten, weiteres Gartenland zur Verfügung zu stellen. Die Anlage Am Sonnenschein wurde bis zum früheren Walfischbusch erweitert; 46 zusätzliche Gärten wurden angegliedert. Ein Vereinsheim wurde gebaut, das leider wie so manche Gartenlaube im Krieg durch Bomben zerstört wurde.

Dann kamen die Nachkriegsjahre. Vereinsheim und Lauben wurden wieder aufgebaut. Bei Not und Elend wurde gerade in dieser Zeit der Kleingarten als Hauptnahrungsquelle genutzt. Jeder Gartenbesitzer wurde beneidet. Es ist daher verständlich, dass aus diesem Grunde der Wunsch nach einem eigenen Garten in vielen Familien geweckt wurde. Es dauerte jedoch immerhin bis zum Jahre 1959, bevor weiteres Kleingartengelände gepachtet und 62 neue Kleingärten bewirtschaftet werden konnten.

Der zeitliche Abstand zu diesen schrecklichen Jahren und die Hetze der heutigen Zeit brachten es mit sich, dass man den Kleingarten mit seiner Ruhe und besinnlichen Arbeit immer mehr als eine Oase der Erholung betrachtete. Die Schrebergärten rückten immer mehr in den Hobbybereich. Viele Wittener Bürger bemühen sich, als Mitglied in den Verein aufgenommen zu werden, und müssen heute lange Wartezeiten in Kauf nehmen, um einen Garten übernehmen zu können.

Das stetige Wachsen unseres Vereins brachte natürlich Probleme mit sich. Der Verein zählt inzwischen 156 Gärten und hat über 300 Mitglieder. Das in den Jahren 1949/1959 erbaute zweite Vereinsheim, einst gedacht für wenige Kleingärtner, entsprach nicht mehr den Anforderungen. So begann man im Jahre 1959 in Gemeinschaftsstunden mit dem Bau des dritten Vereinsheims. Als Festsaal wurde das einstige Torflager der Schreberklause angegliedert. Bedingt durch die Größe der Schreberklause mußte dann auch noch eine neue Toilette gebaut werden, die im Jahre 1973 fertiggestellt wurde. Der Musikpavillon, der einstmals zu fröhlichen Festen einlud, mußte diesem Bauvorhaben weichen.

Im Jahre 1950 gründeten 6 Ehefrauen von Vereinsmitgliedern ein Kaffeekränzchen, aus dem die heutige Frauengruppe hervorgegangen ist.

Wenn von Feiern die Rede ist, darf nicht unerwähnt bleiben, dass in jedem Jahr eine Karnevalsveranstalung, das Erntedankfest und für Kinder und Enkelkinder der Mitglieder eine Nikolausfeier stattfand. Leider wurde im Laufe der Zeit die Teilnehmerzahl zu Karneval und Erntedank immer geringer; daher wurde seit 1994 auf diese schönen Bräuche verzichtet.

Durch neue Ideen und Anregungen wurde die Schrebergartenanlage Sonnenschein immer wieder verschönert und modernisiert, so konnten die im Jahre 1959 angelegten Gärten 1978 an das Stromnetz angeschlossen werden.

1982 wurde ein Shanty-Chor gegründet, der in den ersten Jahren seines Bestehens den Namen Shanty-Chor Sonnenschein trug, sich einige Jahre später vom Verein trennte und unter dem Namen Shanty-Chor Witten noch heute besteht und auch über unsere Stadtgrenzen hinaus einen guten Namen hat. Im selben Jahr wurde auch ein Mandolinenclub ins Leben gerufen, der auch auf Festen aufspielte.

1982 wurde aber nicht nur gefeiert, sondern auch gearbeitet; der Zufahrtsweg von der Leostraße wurde mit Knochensteinen gepflastert.

1986 wurden dem Verein von der Stadtverwaltung Spielgeräte übergeben, die auf dem Spielgelände aufgebaut wurden und heute noch von vielen Kindern - auch aus der Nachbarschaft der Anlage - genutzt werden.

1987 sind mit Mitteln des Landes die etwa 2 km langen Wege der Anlage saniert worden, zugleich wurde im Teil 3 eine neue Wasserleitung verlegt. Alle Vereinsmitglieder mussten für diese Arbeiten neben den üblichen Gemeinschaftsstunden zusätzlich 20 Stunden leisten. Mit dem "Tag des Gartens" am 13. und 14. Juni konnte sich unsere Anlage im neuen Glanz zeigen. - Inzwischen sind diese Wege von der Stadt Witten als Wanderwege in den Grünzug Nord, der von der Innenstadt durch den Lutherpark und den Schwesternpark weiter durch unsere Anlage zum Hauptfriedhof verläuft, einbezogen worden.

1988 und 1989 wurden unsere Schreberklause und der Festsaal grundlegend renoviert, so dass heute Veranstaltungen für 10 bis zu 160 Personen durchgeführt werden können.

Im Rückblick auf über 70 Jahre Vereinsgeschichte kann man heute nur sagen: Es gab wohl viele schwere Stunden der Arbeit und des Schweißes, aber mindestens genau so viele schöne Stunden, der Freude im und am Garten und an der Geselligkeit im Verein.

Damit der Verein und unsere schöne Anlage weiterhin erhalten bleiben, sind alle Mitglieder und die, die es werden wollen, aufgerufen, sich mit noch mehr Freude und Elan am Vereinsleben zu beteiligen, denn der Garten ist doch wirklich ein zweites Heim.

Die Gesamtanlagefläche beträgt nun immerhin 75.400 Quadratmeter. Darum ist es schade, wenn die meisten der heute zu uns kommenden Neumitglieder mit dem Verein und seinen Aktivitäten nichts oder nur sehr wenig zu tun haben wollen. Dabei sollte jedem klar sein, dass diese große Anlage eine Menge an Pflege und Aufmerksamkeit benötigt.

Oder können Sie sich vorstellen, für etwas zu bezahlen, das Sie nicht nutzen können, weil es zu unansehnlich ist?

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